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Die Astronomen sind auf der Flucht. Forschten sie früher mitten unter uns -
in Großstädten wie Berlin, London oder Paris -, so haben sie sich heute in die
entlegensten Winkel der Erde zurückgezogen: auf die Gipfel hoher Berge, in die
Wüste oder gar in die Antarktis. Von dort spähen sie mit mächtigen Maschinen in
den klaren Himmel.
Aber wie lange werden diese Biotope der Astronomen noch geschützt sein vor
der zunehmenden Licht- und Luftverschmutzung der irdischen Atmosphäre?
Wer von seinem Wohnort ein wirklich dunkles Firmament genießen und etwa das
hauchzarte Band der Milchstraße bis zum Horizont verfolgen möchte, hat kaum eine
Chance.
Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung können keinen ungestörten Nachthimmel
mehr erleben. Und einer Emnid-Umfrage zufolge haben ein Drittel der Deutschen
die Milchstraße überhaupt noch nie gesehen.
Der steigende Energiebedarf erfordert mehr Kraftwerke, deren Emissionen die
Menge an Treibhausgasen und Schwebeteilchen (Aerosolen) in der Atmosphäre
erhöhen. Das führt nicht nur zu globaler Erwärmung, sondern zu einer deutlichen
Eintrübung. Die Luftteilchen wiederum streuen das Licht aus irdischen Quellen -
der Nachthimmel hellt sich auf, schwache Sterne verblassen.
Allein in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Amateurastronomen in
Mitteleuropa und den USA drastisch an Durchblick verloren: Studien zeigen, dass
in den Ballungszentren nur noch helle bis sehr helle Sterne sichtbar sind.
Vor einigen Jahren hatten Wiener Astronomen die Bevölkerung aufgerufen, bei
klarem und mondlosem Himmel mit bloßem Auge alle Sterne in der Figur Kleiner
Wagen zu zählen. Wer den Test selbst nachmachen will: Unter normalen Bedingungen
müssten alle sieben Lichtpünktchen des Hauptbilds problemlos zu sehen sein. Die
meisten Beobachter in den Städten werden neben dem vergleichsweise hellen
Polarstern allerdings nur noch einen oder zwei weitere Sterne erblicken.
Lichtsmog ist nicht nur ein Thema für die Astronomen. Biologische Uhren, die
durch den Wechsel von hell und dunkel synchronisiert werden, steuern den
Organismus von Menschen und Tieren. Indem wir die Nacht zum Tag machen, stören
wir solche circardiane Rhythmen - auch die von Insekten, Fledermäusen oder
Vögeln.
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