GESCHICHTE VOM KOMET HOLMES (17p)
Am
06.11.1892 entdeckte der britische Amateurastronom Edwin
Holmes in der Nähe des Andromedanebels einen bis dahin unbekannten Kometen, der während des gesamten
Monats November mit blossem Auge sichtbar war (Historisches Foto). Nachdem man herausgefunden hatte, dass
dieser Schweifstern sich auf einer elliptischen Bahn bewegt, auf der er der
Sonne nie näher als der Planet Mars kommt, wurde klar, dass die Entdeckung
offenbar einem Helligkeitsausbruch zu verdanken war. Mitte Januar 1893 war er
nur noch ein Objekt etwa 10. Grössenklasse, bevor ein zweiter Helligkeitsausbruch
ihn noch einmal in den Bereich der 8. Grösse brachte. Holmes bekam für
seine Entdeckung übrigens die Kometen-Medaille der Astronomical Society of the
Pacific verliehen.
1899
und 1906 gelangte 17P/Holmes wieder in den sonnennächsten Teil seiner Bahn,
wobei er jeweils ein extrem lichtschwachse Objekt blieb. Nach 1906 wurde er
nicht mehr aufgefunden und galt lange Zeit als verschollen. Im Jahr 1963 kam Brian
Marsden auf Grund neuer Bahnberechnungen zu dem Schluss, dass sich der
Orbit des Kometen durch den Schwerkrafteinfluss des Planeten Jupiter verändert
haben müsse. Mit den neuen Bahndaten wurde 17p dann im Jahr 1964 wiedergefunden
und seitdem regelmässig beobachtet.
Am 14.05.2007 erreichte 17P erneut den
sonnennächsten Punkt seiner Bahn, der wie erwähnt noch ausserhalb der Marsbahn
liegt. Seitdem war seine Helligkeit auf etwa 16 mag abgesunken (Helligkeitskurve seit Mai 2007 ). Am frühen Morgen des
24.10.07 meldete Juan Antonio Henríquez Santana von Teneriffa, dass der
Komet viel heller als erwartet sei. Kurz danach schätzte Bob King die
Helligkeit von Minnesota aus auf 7.1 mag. Einige Stunden später konnte der
gleiche Beobachter ihn bereits als Objekt 4. Grössenklasse mit blossem Auge sehen.
Noch einmal 6 Stunden danach wurde von japanischen und italienischen Beobachtern
eine Helligkeit von 2.8 mag angegeben. Im Laufe des 25.10.07 lagen die Werte um
2.5 mag, die Helligkeitskurve 23 - 25.10.07 hatte offenbar ihr
"Gipfelplateau" erreicht. 17P war jetzt fast 1 Million mal heller als noch 48
Stunden zuvor! Mit blossem Auge und kleinen optischen Instrumenten wirkte der
Komet zunächst fast sternartig, der DC-Wert wurde einheitlich mit 9 angegeben. Doch schon am
25.10.2007 und noch deutlicher am 26.10.2007 hatte sich der Durchmesser der Koma
drastisch vergrössert.
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Grössenvergleich Holmes zu unserem Mond |
Eine Aufname vom Hubble-Teleskop |
Bei gleichbleibender Helligkeit wuchs der Durchmesser der Koma in den folgenden Tagen immer
weiter an, am 31.10.2007 wurden für die nur schwach leuchtende, überweigend aus
Gas bestehende äussere Koma bereits 30 Bogenminuten angeben.
Die gesamte
Entwicklung vom 24.10. bis 31.10. wird durch eine Fotoserie von Tery Smoot eindrucksvoll dokumentiert.
Bei einer Expansionsgeschwindigkeit von etwa 2000 km/h betrug der Durchmesser
der inneren Koma Anfang November etwa 850000 km, derjenige der äusseren rund 2
Millionen km.
Derweil wurde in den astronomischen Foren wie der Comets
Mailing List eifrig über die Ursache dieses in der Geschichte der
Kometenforschung beispiellosen Helligkeitsausbruchs diskutiert. Zwar war klar, dass eine das
Sonnenlicht reflektierende dichte Staubwolke die ungewöhnliche
Kometenerscheinung verursacht - doch wie war diese Staubwolke so plötzlich
entstanden? Einige nahmen an, dass der Kern von 17P komplett zerfallen sei, z.B. durch den
Zusammenstoss mit einem Asteroiden. Andere vermuteten ein tektonisches Ereignis im
Kometenkern, durch das sich eine Art Caldera (Einsturzbecken) gebildet hatte.
Dabei seien grosse Mengen Staub freigesetzt worden.
Das Frage, ob 17P einen
Schweif entwickelt hatte oder
nicht, wurde am 31.10.2007 durch eindeutige Fotos (Beispiel) entschieden. Im Laufe der ersten Novemberwoche
präsentierte sich der Schweif zunehmend strukturreich und dynamisch (GIF-Animation von Filipe Alvez). Er erschien recht
kurz, da er fast genau von der Erde wegzeigte.
Um den 5. November 2007
hatte die innere, überweigend aus Staub bestehende Koma einen scheinbaren
Durchmesser von gut 20 Bogenminuten erreicht - das entsprach einem realen
Durchmesser von über 1 Million Kilometern. Für die lichtschwache äussere Gaskoma
wurden 40 Bogenminuten bzw. mehr als 2 Millionen Kilometer angegeben. Am
08.11.07 kam es zu einem spektakulären Abriss des Ionenschweifs. Ursache solcher
Ereignisse sind Umpolungen des an den Sonnenwind gebundenen interplanetaren
Magnetfelds. Einige Tage später war der Ionenscheif weitgehend
verschwunden.
Bis Mitte November hatte die Helligkeit von 17p leicht
nachgelassen, die Angaben lagen in dieser Zeit typischerweise bei etwa 2.7 mag.
Der Durchmesser der inneren Koma war auf gut 30 Bogenminuten angewachsen, die
äussere Koma war auch mit stärkeren Optiken nicht mehr nachweisbar. Die in der
ersten Zeit so auffällige gelbe Farbe war inzwischen ebenfalls verschwunden,
insgesamt herrschte jetzt ein blauer Farbton vor.
Nachdem sich die erste
Aufregung um das ungewöhnliche Himmelsobjekt etwas gelegt hatte, wandte man sich
der Auswertung der historischen Literatur von 1892/93
zu, um die damaligen Beobachtungen mit dem aktuellen Helligkeitsausbruch von 17p
zu vergleichen. Dabei zeigte sich eine grosse Ähnlichkeit zwischen beiden
Ereignissen. Aus diesem Grund wartete man jetzt gespannt, ob Komet Holmes genau
wie im 19. Jh. mit einem zweiten Helligkeitsausbruch aufwarten würde. Dieser
wäre bei einem parallelen Verlauf beider Ereignisketten um die Jahreswende
2007/2008 zu erwarten.
Mitte November sind zwei interessante Beiträge
erschienen:
Die Fachgruppe Kometen wertete die bisherigen Beobachtungen sehr
detailliert aus, während Sky
& Telescope sich mit den Hypothesen zur Ursache des Helligkeitsausbruchs
beschäftigte.
Um den 20. November war die Helligkeit von 17p unter die
3. Grössenklasse gesunken. Gleichwohl gab er um diese Zeit für Fernglas- und
Fernrohrbeobachter ein eindrucksvolles Bild ab, denn seine Koma, die über 30
Bogenminuten mass überdeckte den hellen Stern Mirphak, an dem
der Komet vorbeizog. In der Folge störte zunächst das Licht des fast vollen
Mondes bei der Beobachtung von 17p.